IfaS Stuttgart

Institut für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart

Fachtag "Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung wohnungsloser Menschen in Baden-Württemberg"

Wohnungslose Menschen werden häufig mit vielfältigen Erkrankungen konfrontiert und weisen einen hohen Bedarf an medizinischen Leistungen auf. Dabei erschweren verschiedene individuelle und gesetzliche Hindernisse jedoch den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung. Aus diesem Anlass lädt die Landesministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Katrin Altpeter (MdL) gemeinsam mit der Liga der freien Wohlfahrtspflege zum Fachtag

"Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung wohnungsloser Menschen in Baden-Württemberg"

am

Montag, den 15 Juli 2013 um 10:30 Uhr
in das GENO-Haus Stuttgart, Sitzungssaal EG 1,
Heilbronner Straße 41, 70191 Stuttgart.

Zusammen mit den im Bereich der Wohnungslosen tätigen Akteuren, den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung und den Kommunalen Landesverbänden soll auf dem Fachtag erörtert werden, wie die medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen in unserem Land weiter verbessert werden kann.

Im Rahmen des Fachtages wird Prof. Dr. Susanne Schäfer-Walkmann die vom Sozialministerium in Auftrag gegebene Studie "Gesundheitliche Versorgung wohnungsloser Menschen in Baden-Württemberg" vorstellen.

> Einladung zum Fachtag
> Tagesordnung
> Anreise

 

Artikel in der Hauszeitschrift der Stiftung Liebenau berichtet über Projekt zu Gewalterfahrungen

Die Stifung Liebenau berichtet in der aktuellen Ausgabe der Hauszeitschrift Der Anstifter über das vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart verantwortete Projekt "Gewalterfahrungen. Der Umgang mit Gewalt im lebensweltlichen Kontext von Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern der Stiftung Liebenau zwischen 1945 und 1975". Den Verantwortlichen kommt es dabei darauf an, "sich kritisch mit der eigenen, selbst verantworteten Praxis gegenüber Menschen mit Behinderung nach Kriegsende auseinanderzusetzen" wie Dr. Hans-Martin Brüll von der Stabsstelle Ethik der Stiftung Liebenau im Beitrag erläutert.
> Stiftung Liebenau erforscht Heimalltag in der Nachkriegszeit, Der Anstifter 02/2012

 

Fernsehbeitrag im ARD Mittagsmagazin am 10.05.2012 zum Projekt VerSA-Versorgungsgestaltung durch Soziale Arbeit

„Jede Sekunde zählt“ – unter diesem Titel berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 10.05.2012 im Rahmen des Tags des Schlaganfalls über die Bedeutsamkeit der häuslichen Versorgung nach einem Schlaganfall. Im Interview stellt Prof. Dr. Susanne Schäfer-Walkmann die besondere Bedeutung der Sozialen Arbeit bei der Versorgung von Schlaganfall-KlientInnen in den Vordergrund: „Hier hat Soziale Arbeit im Konzert der anderen Berufsgruppen wie Pflege, wie hausärztliche Versorgung eine wichtige Scharnierfunktion.“
> Beitrag des Mittagsmagazins

 

Fachtagung/Projektpräsentation „Demenz bei Menschen mit geistiger Behinderung – und jetzt?“

Projektpräsentation und Diskussion des Projekts „Demenz bei Menschen mit geistiger Behinderung“ am 14. Dezember 2011 im DGB - Haus, Willi-Bleicher-Str. 20
> Flyer der Fachtagung

 

"Die Zeit heilt keine Wunden" - Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Bei der Pressekonferenz am 4. April mit anschließendem Fachtag wurde die am Institut für angewandte Sozialwissenschaften Stuttgart unter der Leitung von Prof. Dr. S. Schäfer-Walkmann erstellte Studie „Die Zeit heilt keine Wunden“ vorgestellt. Auf dem Programm stand zudem ein Podiumsgespräch mit ehemaligen Heimkindern aus den 1950er und 1960er Jahren.

Die Publikation „Die Zeit heilt keine Wunden“ entfaltet ein Portrait der konfessionellen Heimerziehung in den Einrichtungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das sich in drei zeitliche Epochen gliedert: in der Zeit von Mangel, Wiederaufbau und Umbruch zwischen 1945 und dem Ende der 1960er Jahre, in der Zeit nach weit reichenden Reformen von 1970 bis Anfang der 1990er Jahre und schließlich bis in die Kommunikations- und Informations-gesellschaft von heute. Als Bezugsrahmen diente eine Analyse jeweils herrschender pädagogischer Vorstellungen, Erziehungsstile sowie struktureller rechtlicher Rahmenbedingungen in der jeweiligen Epoche. Zudem werden soziologische und gesellschaftspolitische Dynamiken einbezogen und deren Auswirkungen auf die Biographien untersucht.

Die StudienteilnehmerInnen lebten oder arbeiteten in einem der 15 Heime der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die noch heute in deren Trägerschaft Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe sind. Ein kleiner Teil kannte zudem jene 18 Einrichtungen, die im Laufe der letzten 60 Jahre aufgelöst wurden. Interviews wurden mit 25 Heimkindern geführt, die insgesamt 256 Lebensjahre im Heim verbrachten und mit 15 Erziehungspersonen als Zeitzeugen der der 50er und 60er Jahre sowie mit 14 Heimkindern und 10 Erziehungspersonen als Zeitzeugen der 80er und 80er Jahre. Ergänzend wurde Archivmaterial ausgewertet.

Für die Epoche der 50er und 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts gibt es große Unterschiede in der Bewertung der ehemaligen Heimkinder und der ehemaligen Erziehungspersonen. Dabei kennzeichnet das Zitat „Diese Heimzeit lässt mich nicht los!“ den besonderen Charakter der Gesprächsinhalte. Weder die ehemaligen Heimkinder noch die Erziehungspersonen konnten sich den Wirkmechanismen der ‚totalen Institution Heim‘ entziehen. Die subjektiven Erinnerungen der Zeitzeugen belegen vor allem die
Macht dieser Institutionen und deren Einfluss auf die Entwicklung und Reifung der eigenen Persönlichkeit im Laufe eines Lebens.

Im Gesamtergebnis für diese Zeit sind zwei Punkte besonders hervorzuheben. Erstens: Es handelt sich nicht um Einzelfälle! Deshalb reicht es in der Auseinandersetzung mit Unrecht und Leid nicht aus, darauf zu verweisen, dass die ‚schwarzen Schafe‘ längst bekannt seien. Ganz im Gegenteil: Das Ausmaß der Demütigungen und gewalttätigen Übergriffe ebenso wie die Systematik des Handelns müssen im Rahmen der Aufarbeitung entsprechendes Gewicht erhalten.

Zweitens: Wenngleich die Gewalterfahrungen die Erinnerungen und Bewertungen bei vielen Gesprächspartnern dominieren und
die drastischen Schilderungen entsprechende Bilder erzeugen und Empfindungen hervorrufen, lässt sich aus wissenschaftlicher
Sicht die Lebenswirklichkeit in den Heimen der Erziehungshilfe nicht ausschließlich auf die Formel ‚Nur Schläge im Namen des Herrn‘ reduzieren! Das wird all jenen nicht gerecht, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Kindern Zuwendung und Geborgenheit vermittelt haben und denen das Wohl der Kinder am Herzen lag. Auch diese Menschen gab es zur damaligen Zeit, und auch über deren Wirken wird in der Studie berichtet.

Der Brückenschlag in die Gegenwart führt den Wandel der Heimerziehung vor Augen. Bis in die heutige Zeit erfüllt ein Teil der Einrichtungen in Trägerschaft der Diözese Rottenburg-Stuttgart einen Erziehungsauftrag, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen: Sie sind keine ‚totalen Institutionen‘ mehr, sondern alternative, neue Lebensorte für junge Menschen mit lebensorientierter Rahmung. Treffend kommen die Zeitzeugen der 80er und 90er Jahre zu dem Urteil, dass zwischen den beiden Epochen „Welten“ liegen. Heimkinder aus den 80er und 90er Jahren sagen beispielsweise, dass Heimerziehung „das Beste war, was ihnen passieren konnte“. Für viele wurde das Heim tatsächlich ein Zuhause, und sie bekamen eine förderliche Unterstützung auf ihrem Weg ins Leben.

Heutzutage treten die Verantwortlichen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ebenso wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachdrücklich für die Bekämpfung sozialer Ungleichheit, für mehr Chancen- und Teilhabegerechtigkeit, eine gute pädagogische Ausbildung, notwendig festgeschriebene Kinderrechte und deren Umsetzung in der Pädagogik auch in der Heimerziehung ein. Manch eine oder einer schafft Begegnungen, in denen Zeitzeugen der 50er und 60er Jahre mit jungen Menschen von heute diskutieren. Das sind wertvolle Erfahrungen.

„Erzähle mir die Vergangenheit, und ich werde die Zukunft erkennen“ (Konfuzius) – mit dieser Studie leistet die Diözese einen wichtigen Beitrag zur ernsthaften und ehrlichen Aufarbeitung der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren, und sie liefert Impulse für Menschen heute, die professionell Erziehungsprozesse für junge Menschen gestalten.

> Flyer des Fachtags

Pressestimmen zur Vorstellung der Studie: Die Zeit heilt keine Wunden. Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Freiburg.


> Berichterstattung der Diözese Rottenburg-Stuttgart: "Die Zeit heilt keine Wunden" - Diözese arbeitet in einer in einer Studie Geschichte der Heimerziehung auf"

Publikation:

> Schäfer-Walkmann, Susanne /Störk-Biber, Constanze /Tries, Hilli (2011): Die Zeit heilt keine Wunden. Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Freiburg: Lambertus-Verlag.