Institut für angewandte Sozialwissenschaften

Sozialraumanalyse und Emfehlungen zur Konzeptentwicklung für ein Quartiersentwicklungskonzept "Soziale Integration und Teilhabe am Wenzelstein"

Caritasverband Ulm-Alb-Donau

Sozialraumanalyse und Konzeptentwicklung für das Quartier "am Wenzelstein" in Ehingen (Donau) ...

Auftraggeber

Caritasverband Ulm-Alb-Donau

Forschungsauftrag

Der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V. hat für die Caritas Region Ulm Fördermittel für ein Quartiersentwicklungskonzept „Soziale Integration und Teilhabe am Wenzelstein“ (Sozialraumanalyse und Konzeptentwicklung) erhalten. Mit der wissenschaftlichen Durchführung einer Sozialraumanalyse und der darauf aufbauenden Formulierung von Empfehlungen zur Konzeptentwicklung wurde das Institut für angewandte Sozialwissenschaften in Stuttgart (IfaS) beauftragt.

Der Wenzelstein ist ein Stadtviertel in Ehingen (Donau), der größten Stadt des Alb-Donau-Kreises und Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.  Das Wohngebiet umfasst rund 5.500 Einwohner mit einer äußerst gemischten Wohnbevölkerung. Die Bevölkerungsstruktur am Wenzelstein ist gekennzeichnet durch viele Familien mit Migrationshintergrund, viele Kinder und Jugendliche aus finanziell und sozial benachteiligten Familien und einen hohen Anteil von Seniorinnen und Senioren.

Der Prozess der Sozialraumanalyse im Wenzelstein verfolgt eine doppelte Zielsetzung:

  1. Das zentrale Ergebnisziel ist die Formulierung von Empfehlungen für ein Quartiersentwicklungskonzept im Wenzelstein. Hier sind u.a. die „Lebensqualität“ im Stadtviertel, die Versorgungsdichte und -qualität, sowie die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung von Interesse.
  2. Um zu diesen Handlungsempfehlungen zu gelangen, bedarf es eines partizipativen und aktivierenden Forschungsprozesses (Prozessziel). Dieses – in den beschriebenen Arbeitspaketen konkretisierte – Vorgehen soll dazu beitragen, die BewohnerInnen des Wenzelsteins zur Mitarbeit an der Quartiersentwicklung zu aktivieren.

Die genannten Ziele lassen sich im Hinblick auf relevante Zielgruppen und Themenschwerpunkte konkretisieren. Die hier gewählte Vorgehensweise beruht zum einen darauf, die BewohnerInnen des Wenzelsteins entlang der Lebensphasen zu kategorisieren und zum anderen darauf, bestimmte sozialräumliche Aspekte des Zusammenlebens quer zu den Alterskategorien zu erheben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer Erfassung der nahräumlichen Lebenswelten von SeniorInnen im Wenzelstein und insbesondere auf deren Nutzung und Aneignung des Sozialraums.

Aus den genannten Zielen ergeben sich folgende zu bearbeitende Arbeitspakete (AP):

AP 1: Entwicklung einer Studiengesamtkonzeption

Im Arbeitspaket 1 werden die quantitativen und qualitativen Studienteile ausformuliert, die Erhebungsmethoden festgelegt und die verschiedenen Komponenten miteinander in Beziehung gesetzt. Darüber hinaus wird das Projekt theoretisch fundiert und zentrale Fragestellungen werden benannt.

AP 2: Sekundäranalysen

Arbeitspaket 2 umfasst die kleinräumige Analyse von Statistiken über das Wohngebiet „Wenzelstein“. Entsprechend der genannten Schwerpunkte werden beispielsweise Daten zur Demographie der Bevölkerung, zu soziostrukturellen Merkmalen, zu unterschiedlichen Wohnformen sowie zur Fluktuation im Wenzelstein erhoben. In Abstimmung mit den zuständigen Fachämtern der Kommune, dem Alb-Donau-Kreis und dem Statistischen Landesamt werden die relevanten Daten ermittelt und ausgewertet.

AP 3: Qualitative Interviews mit Expertinnen und Experten

In explorativen angelegten qualitativen Interviews werden Schlüsselpersonen um ihre Einschätzung der Situation im Quartier „Am Wenzelstein“ gebeten. Gefragt werden RepräsentantInnen unterschiedlicher Gruppen (ältere Menschen, pflegende Angehörige, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, Mitglieder des Seniorenbeirates, in der Kirchengemeinde aktive Personen etc.). Die Auswahl erfolgt dabei einerseits entlang der gebildeten Alterskategorien (siehe Auswahlmatrix in Abschnitt 5). Es werden Repräsentanten aus jeder Altersgruppierung befragt. Ein weiteres Kriterium ist die Rolle der jeweiligen Person im Sozialraum. Wenngleich auch alle BewohnerInnen als „ExpertInnen“ ihrer jeweiligen Lebenswelt agieren, sind hier insbesondere diejenigen von Interesse, die eine differenzierte Einschätzung der Lebenslagen der jeweiligen Gruppierung im Wenzelstein vornehmen können, was eine gewisse Schlüsselstellung im Quartier (z.B. in einer Hilfeeinrichtung oder in einem Nachbarschaftsverein) voraussetzt. Die Ergebnisse der Interviews bilden die Grundlage für den Fragebogen für die Aktivierende  Befragung.

AP 4: Aktivierende Befragung

Im Arbeitspaket 4  werden im Rahmen eines Aktions- oder Handlungsforschungsprozesses bei Beteiligungsprozessen benachteiligte Personengruppen angesprochen und zur aktiven Mitwirkung bewegt. Angesetzt wird an der Lebenswelt der Menschen und deren Wahrnehmung, also „Am Wenzelstein“ insbesondere ältere Menschen und versorgende Angehörige (bzw. weitere relevante Fokusgruppen). Die Aktivierenden Befragungen sollen durch Multiplikatoren durchgeführt werden, die mit dem jeweiligen Sozialraum vertraut sind. Durch diese „Peer-to-Peer“-Befragung wird gewährleistet, dass unterschiedliche und möglicherweise schwer erreichbare Zielgruppen angesprochen und erreicht werden. Im Anschluss an die qualitativen ExpertInnen-Interviews werden deshalb Multiplikatoren ausgewählt und mithilfe eines geschlossenen Leitfadens im Durchführen der Aktivierenden Befragungen geschult. Die Auswertung erfolgt durch die MitarbeiterInnen des IfaS.

AP 5: Sozialraumbegehung und Fokusgruppe

Gemeinsam mit einer gemischten Gruppe interessierter Bürgerinnen und Bürger wird eine systematische Erkundung der Lebenswelt „Am Wenzelstein“ durchgeführt. Dabei richtet sich der Blick auf das Leben und Älter werden im Quartier und die dort vorhandenen bzw. fehlenden Begegnungsmöglichkeiten, Unterstützungs- und Hilfsangebote, Freizeitgestaltung, Erreichbarkeit und Mobilität sowie intergenerative und interkulturelle Angebote. Die Ergebnisse werden in einer Gruppendiskussion kommunikativ validiert. Darüber hinaus werden weitere Methoden der Sozialraumanalyse (z.B. Nadelmethode) eingesetzt, um die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam mit den Beteiligten zu vertiefen.

AP 6: Empfehlungen zur Konzeptentwicklung/Endbericht

Arbeitspaket 6 umfasst einen abschließenden Bericht sowie die Erarbeitung einer  Konzeptentwicklung für ein Quartiersentwicklungskonzept „Soziale Integration und Teilhabe am Wenzelstein“.

Projektleitung Prof. Dr. Susanne Schäfer-Walkmann
Prof. Dr. Thomas Meyer
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen

Anne Deremetz, Soziologin (M.A.)
Sebastian Rahn, Sozialpädagoge (cand. M.A.)

Projektdauer

01.06.2017 - 30.11.2017

Zuordnung bei IfaS Praxisforschung und wissenschaftliche Projektbegleitung
Forschungsmethoden
  • Sekundärdatenanalysen
  • Experteninterviews/Tiefeninterviews
  • Aktivierende Befragung
Ergebnisse

Abschlussbericht
Konzept-Entwicklung
PowerPoint-Präsentationen