IfaS Stuttgart

Institut für angewandte Sozialwissenschaften

Freizeitort Europaviertel – Mobile Jugendarbeit in halböffentlichen Räumen

Dachverband Mobile Jugendarbeit Stuttgart; aus Mitteln des Zukunftsplan Jugend des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg

Wissenschaftliche Expertise und Begleitforschung des Projekts...

Auftraggeber

Dachverband Mobile Jugendarbeit Stuttgart; aus Mitteln des Zukunftsplan Jugend des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg

Kooperationspartner

Caritasverband für Stuttgart e.V.
Evangelische Gesellschaft Stuttgart
Stadtbibliothek Stuttgart
Shopping Center Milaneo
Polizeipräsidium Stuttgart
Kulturamt Stuttgart
Jugendamt Stuttgart
Sparkassenakademie

Vertreterinnen Kooperationspartner

Jutta Jung, Caritasverband für Stuttgart e.V.
Klausjürgen Mauch, Evangelische Gesellschaft Stuttgart
Wolfgang Riesch, Evangelische Gesellschaft Stuttgart
Elke Brünle, Stadtbibliothek Stuttgart
Andrea Poul, Center-Management des ‚Milaneo‘
Stefan Hetterich, Volker Weinstock, Alexandra Kunft, Polizeipräsidium der Stadt Stuttgart
Michael Gommel, Kulturamt Stuttgart
Manfred Niewöhner, Jugendamt Stuttgart
Kaj Ernst Knackstedt, Sparkassenakademie
Matthias Reuting, Diakonisches Werk

weitere Akteure Projektteuerungsgruppe (bestehend aus allen beteiligten Organisationen und der wissenschaftlichen Begleitforschung)
Forschungsauftrag

Die hohe Attraktivität von öffentlichen und halböffentlichen Räumen als Freizeit- und Erlebnisort für Jugendliche wird aktuell am Beispiel von Shopping Malls oder innerstädtischen Plätzen und Parks in Wissenschaft und Praxis einer sich im Wandel befindenden (offenen) sozialpädagogischen Arbeit mit jungen Menschen diskutiert. Dabei steht die These im Vordergrund, dass sich sozialräumliches Aneignungsverhalten junger Menschen derart verändert hat, dass sich die Kinder- und Jugendarbeit mit neuen Konzepten, Zugängen und institutionellen Rahmungen ihrer Arbeit beschäftigen muss.

In Stuttgart lassen sich diese Entwicklungen insbesondere im neu enstehenden Europaviertel betrachten. Die dortigen Neueröffnungen der Stuttgart Stadtbibliothek 2011 und des Shopping-Centers Milaneo 2014 führten dazu, dass Jugendliche in Scharen das Viertel aufsuchen, sich dort über einen längeren Zeitraum aufhalten und die einzelnen Orte mehr und mehr angeignen. Die sich im Jahr 2016 abzeichnenden Entwicklungen, etwa verstärkte Beschwerden über Ruhestörungen, Diebstähle und Sachbeschädigungen, sowie Handgreiflichkeiten und Pöbeleien, waren schließlich Auslöser für die Projektidee.  

Im Kontext der ersten Überlegungen wurde dabei deutlich, dass anstatt einer auf Repression setzenden Strategie eine aufsuchende, sozialräumlich ausgerichtete, verständigungsorientierte und deeskalierende Form der Jugendarbeit im Zentrum des Vorhabens stehen sollte. Aus dieser Perspektive heraus entstand dann die Idee, gemeinsam mit der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart (MJA) ein Streetworkprojekt im Europaviertel mit Fokus auf die zentralen Plätze (Stadtbibliothek, Mailänder Platz, Milaneo) durchzuführen.

Daneben schien es aber auch wichtig, zwischen verschiedenen Interessengruppen im Europaviertel zu vermitteln und die Interessen der Jugendlichen bei der Erarbeitung von Lösungsstrategien einzubeziehen. Aus diesem Grunde wurde schließlich eine Projektsteuerungsgruppe, bestehend aus Vertreter*innen aller bisher im Europaviertel vorhandenen Organisationen (z.B. Sparkassenakademie, Milaneo, Stadtbibliothek), Mitarbeiter*innen der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart sowie den Verantwortlichen der Stadt Stuttgart (Jugend- und Kulturamt) und der Polizei gegründet.

Im Rahmen des Projekts sollen Erkenntnisse über die Jugendlichen im Europaviertel gesammelt werden. Eine wichtige Einschränkung hierzu ist aber, dass nur die Jugendlichen in den Blick genommen werden, die die verschiedenen Orte im Europaviertel als Aufenthalts- und  Freizeitsort nutzen, denn es gibt daneben noch Besucher*innen, die die verschiedenen Angebote eher sporadisch und im Kontext der jeweiligen Zweckbestimmung aufsuchen (etwa um Bücher auszuleihen, Kleidung einzukaufen, usw.). Folgende Forschungsfragen wurden formuliert: 

  • Welche Jugendlichen nutzen das Areal im neuen Europaviertel als Freizeit-, Erlebnis- und Treffmöglichkeit und welche spezifischen Lebenslagen, Motive, Interessen und persönlichen Vorlieben lassen sich bei diesen Gruppen beschreiben?
  • Wie oft nutzen diese Jugendlichen die verschiedenen Orte, wie lange halten sie sich jeweils im Europaviertel auf und woher kommen die Jugendlichen (Stadtteile, Landkreise außerhalb von Stuttgart)?
  • Welche sozialpädagogisch relevanten Bedürfnisse, Freizeitinteressen und ggf. Unterstützungsbedarfe können pädagogisch aufgegriffen werden?
Projektleitung Prof. Dr. Thomas Meyer
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen

Sebastian Rahn (cand. M.A.)
Stefan Daum (M.A.)
Daniel Koch (B.A.)

Projektdauer

Februar bis Oktober 2016

Zuordnung bei IfaS Formative Projektevaluation, Praxisforschung
Forschungsmethoden

Das in diesem Projekt entwickelte Forschungsdesign basiert auf einer multiperspektivischen Betrachtung und der Verschränkung quantitativer und qualitativer Methoden. Dabei werden folgende Erhebungsinstrumente eingesetzt:

  1. Kontinuierliches Ausfüllen von Streetworkprotokollen durch die jeweils vor Ort tätigen Sozialarbeiter*innen.
  2. Vertiefende qualitative Interviews mit Jugendlichen, die sich häufiger im Europaviertel aufhalten.
  3. Quantitative Befragung von vor Ort angetroffenen Jugendlichen im Rahmen der Streetwork-Gänge.
  4. Durchführung von Workshops in der Stadtbibliothek, an denen sich Jugendliche in Form einer aktivierenden Befragung mit ihren Wünschen und Bedürfnissen beteiligen und selbst Lösungen erarbeiten können
  5. Gruppendiskussion mit den Mitarbeiter_innen der Stadtbibliothek
Ergebnisse Abschlussbericht